Berg. Morgenpost vom 28.10.2019

Ein Stück Mobilität in den Randbezirken

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RGA vom 25.10.2019

Bürgerbusverein ist unverzichtbar

150 000. Fahrgast wird geehrt. Zusatzangebot im öffentlichen Nahverkehr ist für viele Remscheider in Randgebieten sehr wichtig.
von Andreas Weber


150 000 Fahrgäste hat der Remscheider Bürgerbus in den vergangenen 15 Jahren befördert. Am 4. November wird der Jubiläums-Mitfahrer in Hasten am Haltepunkt Edeka-Markt geehrt. Seit 2004 ist das Zusatzangebot aus dem Öffentlichen Nahverkehr nicht mehr wegzudenken. Geschäftsführer Holger Krant, einer der 26 ehrenamtlichen Fahrer, schätzt die Aufgabe, die vielen Remscheidern in Randbezirken ein Stück Mobilität beschert, die die Stadtwerke mit ihrem Linienverkehr nicht bieten.

Uwe Dowald ist ein dankbarer Nutznießer. Als er vor Jahren in ein Seniorenquartier zum Schmittenbusch zog, hatte er sich vorher erkundigt. Der Bürgerbus fährt an seiner Haustür vorbei. „Ohne ihn wäre ich aufgeschmissen, ich könnte direkt wieder wegziehen“, meint der 68-Jährige. Seine schwere Herzkrankheit erlaubt es ihm nicht, längere Strecken zu Fuß zurückzulegen, schon gar nicht bergauf die Richthofenstraße. „So aber kann ich fast täglich frisch einkaufen beim Aldi in Lüttringhausen“, freut sich der Pensionär. Mit der silbernen Marke auf seinem Schwerbehindertenausweis zahlt Dowald jährlich 80 Euro. Er kann damit nicht nur in den Bürgerbus steigen, sondern hat auch in NRW im ÖPNV freie Fahrt.

Seit fünf Jahren hat der Verein Ticketpreise nicht mehr erhöht

Der Bürgerbus ist ein erschwingliches Transportmittel. „Seit fünf Jahren haben wir die Preise nicht erhöht“, betont Holger Krant, früher 31 Jahre Lehrer am Berufskolleg Technik. Das Einzelticket kostet 1,70 Euro, Kinder unter 15 Jahren und Zeitkarten-Inhaber des VRR/VRS zahlen 1,20 Euro.

64 Haltestellen bedienen die Ehrenamtler zwischen der Tannenbergstraße und der Morsbach Schleife. Gefahren wird wochentags in drei Schichten ab 7.25 Uhr bis 18.21 Uhr, samstags von 8.15 bis 12.50 Uhr. Meist sind es ältere Menschen, die den umgebauten Fiat nutzen, der für acht Fahrgäste ausgelegt ist und einen Rollstuhlfahrer aufnehmen kann. „Auch für Schüler, die in den unterversorgten Zonen des Nahverkehrs wohnen, sind wir wichtig“, berichtet Holger Krant, der dabei an zwei Mädchen aus Dörrenberg denkt, die zur katholischen Grundschule in Lüttringhausen mitgenommen werden.

Im Schnitt 10 000 Gäste befördert der Bürgerbus jährlich. Morgens ist der Hasten stärker frequentiert, nachmittags die Lüttringhauser Route. 86 000 Euro hat der von den Stadtwerken und durch Landesmittel finanzierte Kleinbus gekostet, der 99 000 Kilometer auf dem Tacho hat und im November zwei Jahre alt wird. Fünf Jahre, maximal 300 000 Kilometer wird der Diesel in Remscheid im Einsatz sein. Seinen Vorgänger, einen Mercedes, hält der Verein noch in Reserve, falls der Fiat für TÜV, Wartung oder Reparaturen ausfällt.

Als der Pädagoge Krant vor acht Jahren in den Ruhestand ging, fühlte er sich viel zu fit, um die Füße hochzulegen. Er ergriff das Steuer und hat es bis heute nicht bereut. Krant lobt das Miteinander mit den anderen Fahrern, die Stadtwerke für ihre große Unterstützung und den Komfort im Cockpit. Mittlerweile besitzen die Bürgerbusfahrer ein Tablet neben ihrem Sitz, das es ihnen erlaubt, alle Ticket- und Beförderungsdaten problemlos auf dem Touchscreen zu erfassen.

Den Spaß, der die Aufgabe bereitet, spüren die Gäste. „Alles freundliche Fahrer“, lobt Uwe Dowald. Zuwachs wäre willkommen. Um den Bürgerbus zu fahren, benötigen Interessierte einen Führerschein der Klasse B (früher 3). Ein Vorteil des Jobs: „Ab dem 65. Lebensjahr erhalten wir einen Check beim Betriebsarzt“, sagt Holger Krant. »Standpunkt


Standpunkt

Erfüllendes Ehrenamt
von Andreas Weber

Ratsmitglied Ottmar Gebhardt hat nicht wenige Ehrenämter. Eines liegt ihm aber besonders am Herzen: Dreimal im Monat übernimmt er eine Schicht am Steuer des Bürgerbusses. Es ist nicht nur eine abwechslungsreiche Aufgabe, sondern auch eine erfüllende. Denn die zumeist ältere Klientel, für die er in dem Niederflurfahrzeug die Tür öffnet, würdigt das von den Stadtwerken ermöglichte Zusatzangebot. Es kann für diejenigen, die kein Auto fahren oder schlecht zu Fuß sind, die Lebensader zur Außenwelt sein. Der Bürgerbus erreicht Stellen, die die Remscheider Verkehrsbetriebe links liegenlassen – entweder aus ökonomischen Gründen oder weil große Busse nicht durch enge Ortschaften und Straßen passen. Der Verein wurde am 26. Mai 2004 gegründet, am 13. Dezember desselben Jahres startete in Remscheid der erste Bus. Seither hat er sich im ÖPNV zu einer unverzichtbaren Ergänzung im großstädtischen Nahverkehr entwickelt.



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Kontakt

1. Bürgerbusverein Remscheid e.V.
Siegfried Broska

Kassenwart

  • Garschager Straße 30 | 42899 Remscheid
02191 9513740

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